Die Fuji X als Webcam

Gepostet am Aktualisiert am

Mit einer neuen Software kann man zahlreiche X-Kameras direkt über USB als Webcam verwenden – seit dem 9. Juli nicht nur für Windows, sondern auch für macOS. 

Aufgrund der Corona-Krise sind HDMI-Signalwandler wie das beliebte Camlink von Corsair/Elgato heiß begehrten Mangelware – schließlich kann man mit solchen Geräten das HDMI-Ausgangssignal einer Kamera in den USB-Port eines Rechners einzuspeisen und die Kamera somit als Webcam somit unter anderem für Videokonferenzen einsetzen.

Nach Canon hat auch Fujifilm dieses Problem erkannt und bietet als Überbrückung eine Software-Lösung an, die das Videosignal aus der Kamera direkt – also ohne Umweg über einen Hardware-Wandler – in einen PC einspeist. Unter diesem Link kann man die kostenlose Software FUJIFILM X Webcam herunterladen. Das kleine Programm benötigt Windows 10 oder macOS und operiert mit XGA-Auflösung, was für den Einsatzzweck als Webcam in der Regel ausreicht.

Hinter der eher geringen Auflösung verbirgt sich auch der Mechanismus der Funktion: Die Software greift über USB das nicht sehr hoch auflösende Live-View-Signal der Kamera ab, das eigentlich für das Tethering mit Programmen wie Capture One Pro, Adobe Lightroom oder Fujifilm X Acquire gedacht ist. Folglich ist die Kompatibilität der Lösung auf solche X-Kamera-Modelle beschränkt, die Tethering unterstützen. Derzeit sind das neben den drei GFX-Modellen die X-H1, X-T2, X-T3, X-T4, X-Pro2 und X-Pro3. Die Anfang 2014 erschienene X-T1 kann zwar ebenfalls Tethering, wird von der Webcam-Software aufgrund einer abweichenden Live-View-Spezifikation jedoch nicht unterstützt.

Nach der Installation der Software muss man die Kamera über USB mit dem Rechner verbinden, wofür ein Kabel der USB-Kategorie 3 mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 5 Mbit/s empfohlen wird. Grundsätzlich funktionieren aber auch Verbindungen mit USB 2.0 – die X-Pro2 kann ohnehin nichts anderes. Bei der Videoübertragung kann es in diesem Fall jedoch zu kleinen Verzögerungen kommen. Fujifilm hat als Hilfestellung für die Installation und Einrichtung ein Video in englischer Sprache aufgenommen und auf YouTube bereitgestellt.

FUJIFILM X Webcam ist keine eigenständige Webcam- oder gar Videokonferenz-Software, sondern läuft unsichtbar im Hintergrund. Das Programm stellt lediglich das Live-View-Videosignal der angeschlossenen X-Kameras über USB bereit – dieses Signal kann dann über das jeweilige Betriebssystem von einschlägiger Meeting-Software wie Zoom abgegriffen werden. Die nebenstehende Abbildung zeigt, wie man in Zoom zusätzlich zu etablierten Videoquellen wie der eingebauten Laptop-Kamera und einem angeschlossenen Camlink nun auch die FUJIFILM X Webcam als Videoeingang auswählen kann.

MacOS-Benutzer können die neue Software ab dem 9. Juli direkt für ihr System herunterladen und installieren und sich so den bisherigen Umweg über ein Virtualisierungsprogramm wie Parallels Desktop sparen.

Damit eine mit FUJIFILM X Webcam zweckentfremdete X-Kamera als Webcam richtig funktioniert, sind einige Grundeinstellungen nötig:

  • Verwenden Sie die Kamera im Fotomodus, nicht im Videomodus. Bei der X-T4 bedeutet dies explizit, dass der STILL/MOVIE-Wahlschalter auf STILL eingestellt bleiben muss.
  • Wählen Sie im DRIVE-Menü oder am DRIVE-Einstellrad den Einzelbildmodus (S) aus.
  • Stellen Sie den Autofokus auf AF-S (Einzel-AF). Alternativ können Sie bei einer Festinstallation auch MF (manueller Fokus) auswählen und die Kamera manuell auf eine zum Einsatzzweck passende Entfernung fokussieren.
  • Wenn die Kamera automatisch fokussieren soll, muss der Pre-AF unbedingt eingeschaltet sein. Wählen Sie hierzu AF/MF-EINSTELLUNG > PRE-AF > AN.
  • Darüber hinaus empfiehlt sich die Verwendung der Gesichtserkennung mit AF/MF-EINSTELLUNG > GES./AUGEN-ERKENN.-EINST. > GESICHTSERKENNUNG EIN > AUGE AUTO.
  • Stellen Sie bei der X-Pro3 und X-T4 sicher, dass EINRICHTUNG > VERBINDUNGS-EINSTELLUNG > USB-STROMVERS.EINST. > AN ausgewählt ist, damit sie im Webcam-Betrieb vom USB-Ausgang des Rechners mit Strom unterstützt werden. Bei der X-T2, X-T3, X-H1 und GFX 100 ist diese Einstellung nicht notwendig, da sie den USB-Strom automatisch aufnehmen. Bitte beachten Sie jedoch, dass die X-Pro2, GFX 50R und GFX 50S grundsätzlich keinen USB-Strom beziehen können. Für diese Kameras empfiehlt sich für längere Einsätze deshalb der Anschluss einer externen Stromversorgung über ein Netzteil.
  • Auch im Webcam-Einsatz stehen alle Filmsimulationen und die JPEG-Einstellungen für Weißabgleich und Kontrast zur Verfügung. Ich empfehle hier eine eher neutrale und kontrastarme Einstellung wie ETERNA oder PRO NEG. STD. Als interessante Alternative bieten sich zudem Schwarzweißmodi wie ACROS an.
  • Stellen Sie den Dynamikumfang in BILDQUALITÄTS-EINSTELLUNG > DYNAMIKBEREICH auf DR400% ein und beachten Sie, dass ISO hierfür auf AUTO oder mindestens auf ISO 400 (GFX-Modelle), ISO 640 (X-T3, X-T4, X-Pro3) bzw. ISO 800 (X-H1, X-T2, X-Pro2) eingestellt sein muss. DR400% vermeidet ausgefressene Bildteile, reduziert Glanzlichter und sorgt dadurch insbesondere bei einer suboptimalen/unausgewogenen Beleuchtung für bessere Hauttöne.
  • Ich empfehle, die Belichtung im Modus M manuell einzustellen. Stellen Sie ISO auf den für DR400% jeweils niedrigsten Wert, wählen Sie eine zur gewünschten Schärfentiefe passende Blende und passen Sie schließlich die Belichtungszeit so an, dass der Live-View die Szene in der für die Videokonferenz gewünschten Helligkeit anzeigt. Stellen Sie hierzu sicher, dass EINRICHTUNG > DISPLAY-EINSTELLUNG > BEL.-VORSCHAU/WEISSABGLEICH MAN. auf VORSCHAU BEL./WA. eingestellt ist.
  • Nachdem Sie alle Kameraeinstellungen vorgenommen haben, stellen Sie die Kamera auf automatisches Tethering um: EINRICHTUNG > VERBINDUNGS-EINSTELLUNG > PC-ANSCHLUSS-MODUS > USB-TETHERING-AUFNAHME AUTOMATIK. Bei der X-T3 und X-T4 lautet der Menüpfad EINRICHTUNG > VERBINDUNGS-EINSTELLUNG > VERBINDUNGSMODUS > USB-TETHERING-AUFNAHME AUTOMATIK.
  • Schließen Sie erst jetzt – also ganz am Ende – die Kamera mit einem USB-Kabel an den Rechner an. Bitte denken Sie auch daran, dass Sie das USB-Kabel aus der „getetherten“ Kamera ausstecken müssen, ehe Sie dort wieder Einstellungsänderungen (etwa an der Belichtung) vornehmen können.

Sobald die angeschlossene Kamera von der Fuji-Software erkannt und eingerichtet wurde, steht sie im jeweiligen Betriebssystem anderen Programmen als Videosignalquelle zur Verfügung. Ton wird dabei von der Kamera nicht übertragen, weil Audio im Tethering-Signal des Live-Views grundsätzlich nicht enthalten ist. Wählen Sie in Ihrer Videokonferenz-Software also eine andere Audioquelle aus, etwa das eingebaute Mikrofon des Rechners oder ein extern angeschlossenes Mikrofon bzw. Headset.

Bitte beachten Sie, dass die Webcam-Software nur mit einem gut geladenen Akku in der Kamera funktioniert. Das empfangene Videosignal operiert mit einer Auflösung von 1024 Pixeln in der Breite und ca. 24 Bildern/s, wobei die schnellste Bildwiederholrate im MF-Modus (manueller Fokus) erzielt wird. Vergessen Sie nicht, den VERBINDUNGSMODUS (bzw. PC-ANSCHLUSS-MODUS) am Ende des Webcam-Einsatzes wieder auf USB-KARTENLESER zurückzustellen – insbesondere dann, wenn Sie die Kamera an einem USB-Ladegerät betreiben möchten. Dies galt ganz besonders für die X-T4, die in der Tethering-Konfiguration sämtliche Einstellungen blockierte, wenn sie an einer externen USB-C-Stromquelle wie dem mitgelieferten USB-Netzteil betrieben wurde. Dieser kleine Bug wurde zum Glück Ende Juni mit dem Firmware-Update 1.02 beseitigt.

Wer eine X-A7 oder X-T200 besitzt, kann diese Modelle mit der jeweils aktuellen Firmware direkt über USB als Webcam an Macs und PCs betreiben. Eine Installation der „Fujifilm X Webcam“-Software auf dem Rechner ist in diesem Fall nicht notwendig. Stattdessen genügt es, die Kamera auf  EINRICHTUNG > VERBINDUNGS-EINSTELLUNG > USB WEBCAM zu stellen und sie dann mit einem USB-Kabel an den Rechner anzuschließen. Dort wird sie dann von Software wie Zoom als Webcam erkannt und behandelt.

 

10 Kommentare zu „Die Fuji X als Webcam

    Der Hexar sagte:
    28. Mai 2020 um 09:47

    Rico,

    vielen Dank für die auführliche Darstellung dieser Funktion. Das ist wirklich ein sehr guter Überblick der Fuji Webcam Möglichkeiten. Du wirst aber wahrscheinlich aufgrund er Auflösung etc. weiter mit einem Frame Grabber arbeiten – oder?

    Gruß

    Der Hexar / Hanjo

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      Rico Pfirstinger geantwortet:
      28. Mai 2020 um 10:14

      Ich bin mir noch nicht sicher, was ich am Ende verwenden werde. Fujifilm dürfte demnächst auch noch etwas für die Vlogger-Kameramodelle via Firmware tun, das schaue ich mir auf jeden Fall auch noch genauer an, wenn es soweit ist. Bei Corsair konnte ich vorgestern zudem wieder einen Camlink 4K direkt bestellen, insofern scheint sich auch hier die Liefersituation zu verbessern. Auch die begehrten Green Screens sollen im Juni wieder lieferbar sein. Es tut sich also an mehreren Enden was.

      Die gestern vorgestellte Option ist eigentlich eine Notlösung. Weniger wegen der geringen Auflösung, sondern weil ein Signal angezapft wird, das eigentlich für einen ganz anderen Zweck gedacht ist. Dementsprechend funktioniert auch kein richtiger Autofokus, man kann keine Belichtungszeit (shutter angle) einstellen und so weiter. Eigentlich verlässt man sich auf den hervorragenden Live-View von Fuji und seine WYSIWYG-Fähigkeiten, inkl. DR-Funktion. Und man muss froh sein, dass es den Pre-AF gibt, und dass dieser auch die Gesichtserkennung berücksichtigt.

      Dass das Ganze provisorisch ist, erkennt man freilich schon am 4:3-Format der Ausgabe, obwohl die meisten Kameras ja einen 3:2-Sensor haben. Aber der EVF ist eben 4:3, und hier wird letztlich eben das EVF-Signal abgegriffen und nicht der Sensor. Daraus ergibt sich dann die von Fuji in den Specs der Software genannte XGA-Auflösung von 1024×768., was exakt einem EVF-Panel von 2,36 Millionen Dots entspricht – also das, was wir in der X-T2 und X-Pro2 vorfinden. Höher auflösende EVFs gab es dann ja erst in der X-H1, X-T3, X-T4, X100V und den GFXen.

      Die Option, die wir uns eigentlich wünschen, ist ein von der Kamera generiertes dezidiertes HD-Videosignal (mit vorwählbarer Auflösung bis zu maximal Full-HD und mit verschiedenen Bildseitenverhältnissen) für den Webcam-Einsatz, das über USB ausgegeben wird. Also quasi ein eigener Videomodus, der sein Signal anstatt über HDMI über USB bereitstellt. Derlei wäre dann vollkommen unabhängig vom Betriebssystem des Rechners, und man könnte dann auch wieder alle Kamerafunktionen im Movie-Modus normal nutzen.

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        Der Hexar sagte:
        28. Mai 2020 um 17:48

        Rico, das sind ja sehr detaillierte Erkenntnisse. Du weißt ja mehr als der ganze Service in Kleve.

        Hut ab. 🙂

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    Gerd sagte:
    11. Juni 2020 um 12:07

    Danke für die ausführliche Anleitung. Ich war nach der Installation der Fuji-Software zunächst ratlos.
    Mit den vorgegebenen Einstellungen hat es dann gut funktioniert, Bei einer Zoom-Konferenz, an der ich teilgenommen habe, war mein Bild mit Abstand am besten.
    Gerd

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    Gerd sagte:
    11. Juni 2020 um 14:02

    Ich wollte noch mit dem gleichen Windows-10-PC, an dem meine XT4- Kamera in der Zoom-Konferenz funktioniert, einmal direkt über > „Einstellungen“ > „Kamera“ auf die Kamera zugreifen. Es wird aber keine Kamera erkannt. (Unter den Sicheheitseinstellungen ist auf „Kamera zugreifen erlauben“ aktiviert.)
    Weiß nicht, woran es liegt.
    Gruß Gerd

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    Rafu sagte:
    7. Juli 2020 um 20:33

    Leider funktionieren von drei USB-Kabeln, die ich habe, nur eines, womit die Kamera (XT-3) vom PC überhaupt erkannt wird. Das betreffende Kabel ist bei mir aber leider zu kurz. Kann mir jemand einen Tip geben, welches Kabel bzw. welche Marke ab 1m Länge auf jeden Fall funktioniert?
    Besten Dank im voraus

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      tilphot sagte:
      26. Juli 2020 um 12:57

      Ich kann das Anker Powerline+ USB-C Kabel empfehlen, das gleichzeitig lang und schön rot ist, so dass man es nicht so leicht übersieht. Ich habe auf der großen (normalen) USB-Seite zusätzlich einen USB auf USB-C Adapter von Anker dran, und es funktioniert an meinem Macbook einwandfrei mit der Webcam-Funktionalität und auch mit Tethering in Lightroom.

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    Andreas sagte:
    23. August 2020 um 10:11

    Man sollte eventuell auch einen manuellen Weissabgleich vorher machen. Ich beobachte öfters, dass sich Farben „verschieben“ wenn bunte Dinge vor die Linse gehalten werden.

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    Markus sagte:
    15. September 2020 um 16:06

    Hallo,

    leider friert bei mir das Bild sowohl in Zoom als auch in Teams nach ein paar Sekunden ein.
    Das Bild am Display der Kamera passt und funktioniert auch.
    Wenn ich die Kamera abstecke und wieder anschließe (über USB C) ist das bild wieder für ein paar Sekunden im messenger und friert dann wieder ein.
    Es scheint ein Verbindungsproblem zu geben.

    Freue mich auf eure Antworten

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    Rafu sagte:
    15. September 2020 um 20:30

    Die Software scheint noch nicht ganz ideal zu sein und funktioniert auch nicht mit allen Anwendungen. OBS geht z.B. gar nicht. Deshalb habe ich mir doch die Camlink zugelegt. Die funktioniert.

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