Testbericht & erster Eindruck: GF250mmF4 R LM OIS WR

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Mehr Reichweite: Fujinon GF250mmF4 R LM OIS WR

Das neue GF250mmF4 R LM OIS WR und der optionale GF1.4x TC WR Telekonverter sind das erste echte Telefoto-Angebot für das sich rasch entwickelnde GFX-Mittelformatsystem von Fujifilm. Mit beeindruckender Detailauflösung und dreidimensionaler Motivwiedergabe entspricht das mit knapp 3300 EUR noch vergleichbar preisgünstige GF250mm einem 198-mm-Objektiv im Kleinbildformat. Diese Reichweite kann mit dem 1,4-fach-Telekonverter noch auf 350 mm (277 mm KB-Äquivalent) erhöht werden kann. Ergänzt wird das Ganze durch zwei Makro-Erweiterungsringe, die mit schon vorhandenen GF-Objektiven zusammenarbeiten und das GF120mmF4 in ein echtes 1:1-Makroobjektiv verwandeln.

Ist es das wert? Dieser erste Testbericht wird Ihnen die Entscheidung leichter machen. Er basiert auf Vorserienmustern des GF250mmF4 R LM OIS WR, GF1.4x TC WR, MCEX-18G WR und MCEX-45G WR.

von Rico Pfirstinger

Das neue GF250mmF4 R LM OIS WR ist ein beeindruckendes Objektiv mit einer beeindruckenden Größe. Doch es sieht schwerer aus als es sich anfühlt. Mit ca. 1,4 kg ist es zwar kein Leichtgewicht, lässt sich jedoch auch ohne Stativ bequem bedienen. Dank des eingebauten optischen Bildstabilisators (OIS) gerieten selbst mit nur 1/20 s aus der Hand gemachte Aufnahmen absolut pixelscharf – nicht schlecht für ein Objektiv mit einem Kleinbildäquivalent von immerhin 198 mm und einem Bildwinkel von lediglich 12,5 Grad.

Das neue GF250mmF4 R LM OIS WR, aufgenommen mit einem XF80mmF2.8 R LM OIS WR Macro an einer X-H1

Stativ – ja oder nein?

Ich musste das Objektiv im Verlauf meines etwa zweieinhalb Wochen dauernden Tests kein einziges Mal von einem normalen Stativ aus einsetzen. Stattdessen verwendete ich ein stabiles Carbon-Einbeinstativ, um mit dem schwenkbaren LCD-Bildschirm der GFX 50S bequem aus tiefen Blickwinkeln zu fotografieren. Das GF250mm ist hierfür mit einer Stativschelle ausgestattet, die mit einer Hand in Sekundenschnelle abgenommen werden kann. Sie können dabei auch die Halteschraube lösen und die Kamera-Objektiv-Kombination innerhalb der Schelle drehen, um rasch zwischen Aufnahmen im Hoch- und Querformat zu wechseln.

GFX 50S mit GF250mmF4 R LM OIS WR und GF1.4x TC WR Telekonverter

Optionaler 1,4x Telekonverter

Mit dem neuen GF1.4x TC WR Telekonverter lässt sich die Brennweite des GF250mm auf 350 mm (entspricht 277 mm im Kleinbildformat) verlängern. Dies kostet Sie zwar eine Blendenstufe Licht, verwandelt das GF250mm jedoch in eine kompakte GF350mmF5.6-Kombo.

Wie seine kleineren X-Mount-Geschwister ragt der GF1.4x TC WR tief in den hinteren Tubus des Objektivs hinein und verbirgt so einen Großteil seiner eigenen Größe, wenn er zwischen Kamera und Objektiv installiert ist. Leider bedeutet dies auch, dass der Konverter derzeit nur mit dem GF250mm-Objektiv kompatibel ist – und mit keinem der sechs anderen GF-Objektive. Fujifilm hat jedoch bereits angedeutet, dass in Zukunft weitere Objektive mit dem Telekonverter funktionieren könnten. Vielleicht ein Telezoom?

Der TC bringt solide 400 g auf die Waage – was einleuchtet, wenn man bedenkt, dass er aus 7 Elementen in 3 Gruppen aufgebaut ist. Beim GF250mmF4 handelt es sich ebenfalls um ein eher komplexes Festbrennweiten-Design mit 16 Elementen in 10 Gruppen (inkl. zwei ED-Elementen und einem Super-ED-Element), wozu auch ein erfrischend schneller Innenfokus-Mechanismus gehört, der von Linearmotoren angetrieben wird.

Schalten und walten

Die Schalter an der Seite des Objektivs umfassen einen Fokusbegrenzer, den OIS-Ein/Aus-Schalter und einen Wahlschalter zur Konfiguration der vier identischen Fn-Tasten am Ende des Objektivs (hinter dem Fokusring). Dort haben Sie die Wahl zwischen AF-L, AF-ON und dem Aufrufen einer voreingestellten Fokusentfernung, die Sie vorher mit der SET-Taste speichern können.

Die vier unmarkierten Fn-Tasten sind gleichmäßig hinter dem Fokusring um das Objektiv herum verteilt. Egal wie Sie die Kamera halten und wo sich Ihre linke Hand am Fokusring befindet: es ist immer mindestens eine Fn-Taste in Reichweite. Um die Fn-Funktionen nutzen zu können, benötigt der GFX 50S mindestens Firmware 3.10, die zusammen mit dem neuen Objektiv ab Ende Mai 2018 verfügbar sein wird.

Eine maximale Blendenöffnung von f/4 mag unspektakulär klingen, doch wenn man dieses Beispielbild in voller Größe auf Flickr betrachtet (klicken Sie hierzu auf das Bild), erkennt man schnell die eingeschränkte Schärfentiefe. Tatsächlich ist hier nur ein Teil der Augenwimper pixelscharf fokussiert – und das mit nur einem 51-MP-Sensor. Bereits die nächste Iteration des GFX dürfte mit doppelt so vielen Pixeln aufwarten, und das GF250mmF4 ist darauf offenbar gut vorbereitet.

Autofokusleistung

Der Autofokus des GF250mmF4 arbeitet erfreulich schnell – selbst in der erweiterten 350mm-Konfiguration mit Telekonverter. Unter typischen Aufnahmebedingungen fühlte es sich beim Test nie so an, als müsste man auf die Kamera warten oder würde eine Aufnahme verpassen. Vielmehr war es möglich, auch längere Serien von Testbildern mit ausgesprochen hoher Fokussiergenauigkeit aufzunehmen – und dabei den entscheidenden Moment zu treffen. Für ein Objektiv dieser Größe war das Arbeiten damit sehr entspannt.

Im AF-S-Modus den richtigen Moment zu treffen, erwies sich als einfacher als erwartet. Zu verdanken ist dies dem erstaunlich flotten Autofokus, der auf einem Innenfokus-Mechanismus basiert. Klicken Sie auf die Bilder, um sie auf Flickr in voller Auflösung zu sehen.

Die AF-Performance kann durch den eingebauten Fokusbegrenzer weiter verbessert werden, indem die Fokusentfernung auf den Bereich von 5 m bis unendlich limitiert wird. Im normalen Full-Range-Modus fokussiert das Objektiv auch näher (bis zur minimalen Fokusentfernung von 1,4 m), was einem Abbildungsmaßstab von 0,22 x (ca. 1:5) entspricht. Wenn das noch nicht genug ist, können Sie das GF250mm mit einem der beiden neuen Makro-Verlängerungsringe kombinieren.

Im Gegensatz zum GF1.4x TC WR lassen sich die neuen Makroverlängerungsringe MCEX-18G WR und MCEX-45G WR auch mit bestehenden GF-Objektiven kombinieren. Laut Fujifilm ist die 18-mm-Version die kleinstmögliche Größe, die den strukturellen Anforderungen entspricht, während der 45-mm-Ring für eine 1:1-Vergrößerung zusammen mit dem GF120mmF4 R LM OIS WR Makroobjektiv konzipiert wurde.

Durch die Kombination des GF250mmF4 mit dem kleineren MCEX-18G WR Makroverlängerungsring kann man die MFD-Barriere von 1,4 m unterschreiten und dem Motiv noch näher kommen. Selbst in dieser ungewöhnlichen Konfiguration sind die Ergebnisse bis zu den Rändern perfekt scharf. Klicken Sie auf die Bilder für größere Versionen auf Flickr.

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Fuji X Secrets Compact

Sie fotografieren mit einer Fujifilm X-Kamera, haben wenig Zeit und möchten die optimalen Einstellungen für Ihre Kamera an nur einem einem Tag kennenlernen – inkl. sachkundiger Erklärungen, warum wir diese Einstellungen bevorzugen? Dann ist Fuji X Secrets Compact für Sie der richtige Workshop.

Hunderte von Optionen im Aufnahmemenü, Hauptmenü, Wiedergabemenü, My Menu und Quick-Menü; benutzerdefinierte Presets; konfigurierbare Funktionstasten; verschiedene Autofokusmodi mit unterschiedlichen Feldgrößen; AF-C-Presets mit konfigurierbaren Parametern; Gesichts- und Augenerkennungsoptionen; diverse Belichtungsmessmodi und manuelle Fokushilfen; Live-View & Live-Histogramm mit zahllosen Anzeigeoptionen, und, und, und…

Haben Sie den vollen Überblick? Welche Einstellungen sind ideal für welchen Zweck – und welche eher nicht? Dieser eintägige Kompakt-Workshop zeigt es Ihnen – einschließlich der praxisrelevanten Hintergründe.

Der nächste Termin findet am 2. Juni 2018 bei Foto Brinke in Forchheim statt. Infos dazu gibt es hier.

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Bildqualität

Der GF250mmF4 liefert bereits bei weit geöffneter Blende gestochen scharfe Bilder mit beeindruckender Detailauflösung. Die Verzeichnung wurde nahezu vollständig optisch korrigiert – es bleibt nur eine geringe kissenförmige Verzeichnung übrig, die bei der RAW-Konvertierung auf Basis der in der RAW-Datei gespeicherten Korrektur-Metadaten automatisch ausgeglichen wird (sofern Sie einen kompetenten RAW-Konverter einsetzen, der die GFX vollständig unterstützt). Dasselbe gilt für chromatische Aberration und Vignettierung. Letztere ist bei Offenblende ausgeprägter, wird jedoch von der Kamera oder einem guten externen RAW-Konverter ebenfalls digital korrigiert.

Die Ergebnisse dieses Objektivs sehen von Rand zu Rand scharf aus – ein Eindruck, der durch die von Fujifilm veröffentlichten MTF-Kurven unterstützt wird.

Das Vorserienmuster mit der sehr vorläufig klingenden Seriennummer 00R00013 lieferte auch bei weit offener Blende detaillierte und bis zu den Rändern scharfe Ergebnisse.

Dieses erfreuliche Bild wird auch durch das Hinzufügen des 1.4x-Telekonverters nicht getrübt. Bereits mit Firmware 3.00 wird der Telekonverter dabei vollständig mit aktualisierten EXIF-Daten, modifizierten Objektivkorrektur-Metadaten und der korrekten Blendenanzeige im Live-View unterstützt.

In Kombination mit dem GF1.4x TC WR Telekonverter mutiert das GF250mmF4 zu einem GF350mmF5.6, ohne die Bildqualität dabei erkennbar zu beeinträchtigen.

Ein Markenzeichen der sechs älteren GF-Objektive ist ihre dreidimensionale Darstellung des Motivs – dies ist einer der Hauptgründe, warum ich gerne mit dem GFX-System fotografiere. Aus meiner Sicht ist das GF250mmF4 keine Ausnahme von dieser Regel.

Das 250mmF4 liefert die Art von „3D-Pop“, die ich bei GF-Objektiven schätze – selbst dann, wenn der Hintergrund ungünstig ist.

In Bezug auf die Qualität von unscharfen Bereichen (auch bekannt als Bokeh) sind die Ansichten bekanntermaßen oft geteilt. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an meinen Bokeh-Vergleich zwischen dem XF90mmF2 und dem XF80mmF2.8. Bei Blende 2.8 bevorzugten viele Betrachter das weiche Bokeh des XF90mm, während andere den verwirbelten Look des XF80mm besser fanden und sich das Makroobjektiv speziell für ihre Porträtarbeit besorgten.

Die Darstellung unscharfer Bereiche hinter und vor dem Hauptmotiv ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ich persönlich mag den Look des GF250mmF4 und habe mir das Objektiv deshalb schon vorbestellt.

Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie ein Objektiv unscharfe Bereiche hinter und vor einem Objekt darstellt, mache ich gerne Testaufnahmen von schwierigen Motiven wie diesem Lattenzaun:

Dazu gehört auch herauszufinden, wie scharf, detailliert und kontrastreich die Motivbereiche auf der schmalen Fokusebene gerendert werden:

Bitte klicken Sie hier für ein Flickr-Album mit 30 Beispielbildern in voller Auflösung.

Robustheit und Verarbeitung

Wie seine Geschwister ist das GF250mmF4 wetterfest – und trotzdem leichter, als es aussieht. Laut Fujifilm wurde das Objektiv an 18 verschiedenen Stellen gegen Staub und Feuchtigkeit versiegelt und für Arbeitstemperaturen von bis zu –10°C konzipiert.

damien-lovegrove-portraits-ad-squareAufgrund des hohen Auflösungsvermögens kann die Bildschärfe im Bereich von 1/8 bis 1/60 Sekunden von der Verschlusserschütterung der Kamera negativ beeinflusst werden. Dieses Problem lässt sich am besten dadurch vermeiden, dass man die GFX auf den elektronischen ersten Verschlussvorhang (EFCS) einstellt.

Wenn Kamera und Objektiv ausgeschaltet sind, hält ein neuer Verriegelungsmechanismus das von einem Linearmotor angetriebene innere Fokussierelement in Position, d.h. es gibt keine „Klappergeräusche“ mehr, wenn Sie das ausgeschaltete Objektiv herumtragen. Wenn Sie das Objektiv abnehmen, während die Kamera noch eingeschaltet ist, funktioniert dieser Verriegelungsmechanismus nicht.

Der Blendenring erstreckt sich von F4 bis F32 in 1/3-Stufen – zudem gibt es die üblichen A- und C-Positionen, die durch einen speziellen Knopf am Ring gesichert sind. Der Blendenring klickt sanft in Position, und auch die Fn-Tasten und SET-Tasten fühlen sich gut an. Weniger beeindruckt haben mich hingegen die drei eher billig wirkenden Umschalter, die den OIS, den Fokusbegrenzer und die Fn-Modus-Wahl regeln.

Makro-Verlängerungsringe

Die neuen Makro-Verlängerungsringe MCEX-18G WR und MCEX-45G WR verringern den geringstmöglichen Fokussierabstand aller GF-Objektive und ermöglichen somit höhere Abbildungsmaßstäbe. Ein Abbildungsverhältnis von mindestens 1:1 ist möglich, wenn Sie den MCEX-45G WR entweder mit dem GF120mmF4 R LM OIS WR Macro oder dem GF45mmF2.8 R WR verbinden. Mit dem GF32-64mmF4-Zoomobjektiv könnten Sie sogar eine 1,5-fache Vergrößerung erreichen, wenn Sie es bei einer Brennweite von 32 mm fokussieren. Dabei handelt es sich jedoch um ein eher theoretisches Unterfangen, da der praktische Arbeitsabstand dieser Konfiguration 0 (wie in Null) Millimeter betragen würde, was bedeutet, dass Sie Ihr Motiv buchstäblich auf das Frontlinsenelement kleben müssten.

Hier finden Sie ein PDF mit den Vergrößerungs- und Abstandsangaben aller Kombinationen von GF-Objektiven und Makro-Verlängerungsringen.

Mit dem MCEX-45G WR erreicht das GF120mmF4 R LM OIS WR Macro eine „echte“ 1:1-Vergrößerung (Bild oben). Da es jedoch immer noch keine Tilt/Shift-Funktion besitzt, musste ich 241(!) vollaufgelöste RAW-Dateien in HeliconFocus stapeln, um die Münze von vorne nach hinten scharf zu bekommen (Bild unten). Die neue Focus-Stacking-Funktion der GFX-Firmware 3.00 erwies sich dabei als sehr nützlich.

Klicken Sie hier für 30 Beispielbilder in voller Größe auf Flickr!

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