Sensor

ISOlos fotografieren mit der Fujifilm X-Serie

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Die Zukunft der Fotografie hat – dank ISOloser Sensortechnologie – eigentlich längst begonnen, doch zahlreiche Anwender tappen noch im Dunkeln. Das ist auch den Herstellern von Kameras und RAW-Konvertern anzulasten, die den alten Status Quo gemächlich pflegen. Wir machen da nicht mit.

Zwei besonders populäre Schlüsselinhalte begegneten uns bislang bei jedem unserer Workshops: Belichtung und Autofokus. Das Thema Belichtung nimmt auch deshalb viel Raum ein, weil die Sensoren in modernen Kameras (außer Canon) heute in der Regel „isolos“ arbeiten. Darunter verstehen wir Kameras, bei denen die ISO-Verstärkung des Bildsignals (also die Anpassung der Bildhelligkeit durch höhere ISO-Einstellungen) wahlweise vor oder nach dem Schreiben der RAW-Datei erfolgen kann, ohne dass sich die Ergebnisse qualitativ nennenswert unterscheiden.

Same same, but different

20Links sehen Sie eine mit einer X-E2 bei ISO 800 gemachte Aufnahme, bei der die Signalverstärkung auf ISO 800 in der Kamera erfolgte. Es wurde also eine RAW-Datei geschrieben, die bereits das von ISO 200 auf ISO 800 um zwei Blendenstufen aufgehellte (= verstärkte) Bildsignal enthält. Die durchgeführte Bildsignalverstärkung wurde dabei unwiderruflich in die RAW-Datei gebrannt, sodass eine evtl. erfolgte Überbelichtung nicht mehr zurückgenommen werden kann. Game over.

21Rechts sehen Sie eine ebenfalls bei ISO 800 mit den gleichen Einstellungen gemachte Aufnahme, bei der das Signal nicht in der Kamera verstärkt wurde. Stattdessen wurde eine um zwei Blendenstufen dunklere RAW-Datei mit den Bilddaten von ISO 200 (der Grundempfindlichkeit des Sensors in der X-E2) geschrieben. Die notwendige Aufhellung auf ISO 800 erfolgte erst später im Rahmen der RAW-Konvertierung.

Im direkten Vergleich der beiden Aufnahmen sind keine nennenswerten Qualitätsunterschiede zu erkennen. Diese qualitative Gleichartigkeit ist ein Merkmal ISOloser Sensoren.

Bildschirmfoto 2014-08-18 um 15.57.47Am Limit

Die Möglichkeit, die ISO-Verstärkung (= Belichtungsaufhellung) später im Rahmen der RAW-Konvertierung vornehmen zu können, ist ausgesprochen vorteilhaft, weil wir die Verstärkung bei der RAW-Verarbeitung selektiv vornehmen können. Anstatt wie in der Kamera das gesamte Bild um eine oder mehrere Blendenstufen aufzuhellen und dabei womöglich kritische Glanzlichter abzuschneiden, können wir die Aufhellung im RAW-Konverter auf die dunklen Bildbereiche konzentrieren und helle Bereiche aussparen, die sonst ausbrennen würden. Der populäre RAW-Konverter Adobe Lightroom stellt hierzu fünf verschiedene Belichtungsregler zur Verfügung: neben einem allgemeinen Regler für das gesamte Bild gibt es vier weitere Regler, die sich auf Lichter und Tiefen sowie auf schwarze und weiße (besonders dunkle und besonders helle) Bereiche der Aufnahme beziehen. Das ist ein handfester Vorteil, denn während sich die Verstärkung in der Kamera stets auf das gesamte Bild auswirkt, kann man die Bilddaten im RAW-Konverter selektiv aufhellen, den Dynamikumfang der Kamera also effektiv erweitern, indem man lediglich die (zu dunklen) Schatten und Mitteltöne aufhellt, die (bereits korrekt dargestellten) Lichter jedoch weitgehend in Ruhe lässt.

RP011275 (1)RP011275Sehen wir uns hierzu ein konstruiertes und dementsprechend extremes Beispiel an: den Schnappschuss eines unserer Workshopteilnehmer in einem unbeleuchteten Raum vor einem hellen Fenster. Der Belichtungsunterschied zwischen dem dunklen Raum und der hellen Außenwelt beträgt hier mehr als vier volle Blendenstufen (oder EV = Exposure Values) und ist von keiner herkömmlichen Digitalkamera ohne weiteres zu bewältigen. Entweder wird das Gesicht im Vordergrund korrekt belichtet und der Himmel im Hintergrund ist stark ausgefressen (links), oder der Himmel wird korrekt belichtet und das Gesicht erscheint dafür pechschwarz (rechts). Was tun? Den Rest des Beitrags lesen »